Qualitätsmanagement

Die Berufsbildenden Schulen Halberstadt „Geschwister Scholl“ nehmen seit dem Schuljahr 2011/2012 am „Ganzheitlichen Qualitätsmanagement“ (GQM) teil.

Bereits im Juni 2011 wurde eine Steuergruppe gegründet. Nach einer ersten Informationsveranstaltung am LISA für die angehenden Steuergruppenleiter wurde die Arbeit mit Beginn des neuen Schuljahres aufgenommen.

Unser erstes Treffen fand am 29.9.2011 statt. Hier standen vor allem eine erste Kennenlernphase und eine Orientierung der zukünftigen Arbeit auf der Tagesordnung. Mit einigen Startschwierigkeiten zu den Aufgaben einer Steuergruppe haben wir diese zum „Schulentwicklungsteam“ umbenannt.

Unser zweites Treffen am 2.12.2011 hatte zur Aufgabe, die Schwerpunkte des GQM- Studiums der Steuergruppenleiterin darzustellen, um den Begriff des Qualitätsmanagements zu verstehen. Des Weiteren galt es fest zu stellen, welche Strategie der Weiterarbeit zu verfolgen sei.

Zum dritten Treffen am 26.1.2012 hatten alle SET-Mitglieder für eine Bestandsanalyse unserer Schule Stärken und Schwächen erarbeitet. Diese gilt es vorerst auszuwerten, um eine entsprechende Ausgangsbasis für unsere Weiterarbeit zu finden. Ebenfalls soll dazu die SEIS-Befragung von 2009 einbezogen werden. Darauf werden sich dann die nächsten Treffen beziehen.

Unser viertes Treffen am 8.3.2012 hatte vorerst die Aktualisierung der Homepage in Bezug auf die Schulentwicklungsarbeit zur Aufgabe. Wir wollen regelmäßig unsere Arbeit dokumentieren und diese für alle Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte transparent gestalten. Ebenfalls wollen wir unsere Aufgaben und Ziele der Schulentwicklungsarbeit darstellen.

Weitere Treffen werden immer konkretere Aufgaben zum Ziel haben, welche regelmäßig auf unserer Homepage dokumentiert werden. Zusätzlich stellen wir Informationsmaterialien und Links zur Verfügung, damit sich jeder individuell informieren kann.

Wir hoffen auf eine gute Zusammenarbeit und wünschen uns jederzeit Anregungen oder Vorschläge für die Arbeit des Schulentwicklungsteams.

Vielen Dank

Sandra Günther

 

Funktionen des Qualitätsmanagements an den Berufsbildenden Schulen Halberstadt

1. Das QM zeigt die Weiterentwicklung der Schule auf.

2. Das QM verdeutlicht das Qualitätsbemühen der Schule nach außen.

3. Das QM sorgt für die Förderung der Arbeitsqualität der einzelnen Mitarbeitenden durch differenzierte Feedbacks.

4. Das QM sorgt dafür, dass die Ziele und Werte geklärt sind, an denen sich die alltägliche Praxis orientiert.

5. Das QM sorgt dafür, dass Schüler/Innen transparente Informationen über die Qualität der Schule erhalten, um sich für ein Bildungsangebot zu entscheiden.

6. Das QM dient dazu, die Ansprüche und Erwartungen der Mitarbeiter/Innen festzustellen und bei Bedarf entsprechende Maßnahmen zu begleiten.

 

Erarbeitet vom SET am 26.4.2012

 

Das Q2E-Qualitätsmanagement-Modell
 
Die Bezeichnung Q2E steht als Kürzel für „Qualität durch Evaluation und Entwicklung“. Der Titel besagt, dass Schulqualität im Wechselspiel von Evaluation und Entwicklung schrittweise gewonnen werden kann – dass also die fortschreitende Optimierung als wichtigste Qualitätsgrundlage betrachtet wird.
 
Damit orientiert sich das Q2E-Modell am Konzept des „Total Quality Management“ (TQM), allerdings mit dem Anspruch, die charakteristischen Eigenheiten von Schule und Unterricht möglichst gut zu berücksichtigen.
 
Das Q2E-Modell versteht sich als Hilfestellung für den Aufbau eines ganzheitlichen Qualitätsmanagements an Schulen. Es geht von zwei Prämissen aus:
 
Prämisse 1:
 
Schulen brauchen ein Qualitätssystem, das einem außerordentlich komplexen Kundenverhältnis gerecht wird.
 
Prämisse 2:
 
Schulen brauchen ein Qualitätssystem, das dem großen individuellen Gestaltungsspielraum der einzelnen Lehrpersonen gerecht wird.
 
Das Q2E-Modell umfasst sechs Komponenten:
 

Quelle: Norbert Landwehr/ Peter Steiner: Q2E, Heft 1; 3. Auflage
 
 

Komponente 1: Das Qualitätsleitbild

Im Qualitätsleitbild legt die Schule die Qualitäten (Werte, Normen, Standards) fest, nach denen sie sich beurteilen lassen bzw. künftig selber evaluieren will. Der Begriff wird bewusst in Abgrenzung zum herkömmlichen Leitbildbegriff („CI-Leitbild“ für: „Corporate-Identity-Leitbild“) verwendet. Ein Qualitätsleitbild hat eine Funktion, die in einem direkten und unmittelbaren Bezug zum Qualitätsmanagement steht: Die Schule definiert darin die Qualitätsansprüche (Soll-Aussagen), mit denen sie die reale Praxis (Ist-Zustand) vergleichen möchte (Ist-Soll-Vergleich), um auf dieser Grundlage Entwicklungsschritte zur Verminderung der Ist-Soll-Unterschiede zu ergreifen.
 
Für die Erarbeitung und Formulierung eines Qualitätsleitbildes orientiert sich unsere BbS Halberstadt an den 6 Qualitätsbereichen des Landes Sachsen-Anhalt schulischer Entwicklung. Es handelt sich dabei um eine systematische Zusammenstellung von Qualitätsaussagen zur guten Schule mit dem Ziel, die zentralen Qualitäten einer guten Schule in einer übersichtlichen, griffigen und praktikablen Form darzustellen, um damit eine umfassende, möglichst ganzheitliche Qualitätswahrnehmung und -reflexion der Schule zu ermöglichen.
 

Komponente 2: Individualfeedback und persönliche Qualitätsentwicklung

Der Unterricht ist für die Lehrpersonen das eigentliche „Kerngeschäft“ ihrer beruflichen Tätigkeit. Ein wirkungsvolles und glaubwürdiges Qualitätsmanagement muss daher in der Schule auch den Unterricht erreichen und zur Verbesserung und Weiterentwicklung der individuellen Unterrichtspraxis beitragen. Dabei spielen erfahrungsbezogene Rückmeldungen von Seiten der Betroffenen (z. B. Auszubildende, Ausbilder/innen) oder von Seiten unbeteiligter Beobachterinnen und Beobachter (z. B. Lehrerkolleginnen und Lehrerkollegen) eine zentrale Rolle. Solche Feedbacks sind für die handelnden Personen wertvolle Reflexionshilfen, die das individuelle Lernen zur Optimierung des beruflichen Handelns anregen und unterstützen können.
 
Feedbacks sind Instrumente des persönlichen Lernens: Sie dienen der persönlichen, berufsbezogenen Qualitätsentwicklung. Sie sind von Beurteilungs- und Qualifizierungsinstrumenten deutlich abzugrenzen.
 
Möglichst alle Mitarbeitenden einer Institution sollten Feedbacks einholen, auswerten und Konsequenzen in der Praxis umsetzen. So muss die Schulleitung mit einem entsprechenden Konzept dafür sorgen, dass in der Schule die Feedbackkultur (im Sinne des 180-Grad-Feedbacks – 2 Feedback-Bereiche: Lehrperson - Lehrperson, Lehrperson - Lernende) institutionalisiert wird.
 
Im Vordergrund steht die persönliche Unterrichtsentwicklung (Sichtweise: Ich und meine Klasse, ich und mein Unterricht – individuelle Verantwortung). Jede Lehrperson ist dafür verantwortlich, dass sie Maßnahmen ergreift, die die Qualität des Unterrichts weiterentwickeln. Die Lehrpersonen nehmen regelmäßig an Weiterbildungsveranstaltungen teil.
 
Die Schule unterstützt die Mitarbeiter/innen in ihren Bemühungen zur Qualitätsentwicklung.
 

Komponente 3: Selbstevaluation und Qualitätsentwicklung der Schule

Es ist wichtig, dass – neben den einzelnen Mitarbeitenden und der individuellen beruflichen Praxis – auch die Institution Schule als Ganzes regelmäßig überprüft und schrittweise weiterentwickelt wird, beispielsweise die kollegiale Zusammenarbeit, die Schulführung oder die Schulorganisation. In dieser Absicht werden datengestützte Qualitätsrecherchen durchgeführt, sei es zu einzelnen Qualitätsbereichen (sog. „Fokusevaluationen“) oder sei es zur Gesamtqualität (sog. „Breitbandevaluationen“).
 
Die Evaluationsdaten bilden dann die Grundlage für die Erarbeitung einer differenzierten, datengestützten Qualitätsdiagnose (Feststellen von schultypischen Ist-Soll-Diskrepanzen) und für die Erarbeitung von Optimierungsmaßnahmen.
 
Für die Selbstevaluation steht grundsätzlich ein breites Methodenrepertoire zur Verfügung. Im Modell Q2E wird vorzugsweise mit schriftlichen Datenerhebungen mittels Fragebogen gearbeitet, weil die anonyme Erhebung eine wichtige Ergänzung zu den eingespielten Meinungskonstellationen im Kollegium oder in den Klassen bildet. Allerdings sollte jeweils großer Wert darauf gelegt werden, dass eine gemeinsame Dateninterpretation im Kollegium stattfindet: Auf diese Weise kann eine gemeinsame „Problem- und Lösungssicht“ geschaffen werden – eine unerlässliche Voraussetzung, um bei der Maßnahmenumsetzung auf eine breite Abstützung bei den Betroffenen zählen zu können.
 
Selbstevaluationen (interne Evaluationen) fördern bei den Lehrpersonen das Bewusstsein für die Haltung „Wir und unsere Schule – gemeinsame Verantwortung“ (in Ergänzung zu „Ich und meine Klasse, ich und mein Unterricht – individuelle Verantwortung).
 
Die BbS Halberstadt setzt sich zum Ziel, die Qualität in allen Bereichen ständig zu verbessern, Schwachstellen durch Evaluationen aufzudecken und wirksam zu beheben. Das Schulleitbild bildet den verpflichtenden Orientierungsrahmen.
 
 

Komponente 4: Steuerung der Q-Prozesse durch die Schulleitung

Qualitätsaktivitäten der Schule sind durch die Schulleitung zu steuern und zu koordinieren. Die Schulleitung wird in der Aufbauphase eines Qualitätsmanagements und der Institutionalisierung der Q-Aktivitäten durch eine Projektsteuergruppe unterstützt. Gegen Ende der Aufbauphase werden durch die Schulleitung die QM-Prozesse (z.B. Mitarbeitergespräche, Feedback, Evaluation, Umgang mit Qualitätsdefiziten, Qualitätsdokumentation) festgelegt, verbindlich eingeführt und transparent beschrieben. In der Betriebsphase hat die Schulleitung dafür zu sorgen, dass alle Lehrpersonen die Q-Verfahren und Q-Instrumente angemessen anwenden können.
 
Das Qualitätsmanagement hat strategische und operative Führungskomponenten, es legt Ziele und Werte fest, an denen sich die Schule orientieren soll. Die Schulleitung hat die Aufgabe, die „Fäden“ in der Hand zu halten und dafür zu sorgen, dass die Aktivitäten ein ausgewogenes und stimmiges Ganzes bilden und dass Ist-Soll-Diskrepanzen systematisch erfasst und angegangen werden.
 
Die Qualität einer Schule misst sich zunehmend auch daran, wie mit den individuell verursachten Qualitätsdefiziten schulintern umgegangen wird. Die „Fehler“ einzelner Personen können das Image der ganzen Schule nachhaltig stören; daher ist es unerlässlich, dass das Qualitätsmanagement auch auf dieser Ebene zuverlässig und verbindlich wirksam ist. Das Herstellen des Vertrauens in die Qualität des schulischen Angebots kann nicht durch einzelne Lehrpersonen geleistet werden; vielmehr handelt es sich um eine Aufgabe, die von der ganzen Schule als Ganzes angegangen werden muss. Das Qualitätsmanagement ist ein überindividuelles Anliegen, für das die Schulleitung im Dienste der ganzen Schule Verantwortung übernimmt und Ressourcen zur Verfügung stellt.
 
 

Komponente 5: Externe Schulevaluation

Ein Evaluationsteam besucht die Schule, um sie als Ganzes in seiner Qualität zu beurteilen. Der Bericht zum Ist-Zustand stützt sich auf Dokumentenanalysen, Beobachtungen und Interviews. Ziel ist ein möglichst glaubwürdiges Qualitätsurteil durch eine unabhängige Sicht der Evaluatoren.
 
Die Ergebnisse der externen Evaluation sollen einerseits Anstöße zur Schulentwicklung geben und damit Feedback- und Entwicklungsfunktion haben, andererseits erfolgt eine Rechenschaftslegung gegenüber der Schulbehörde.
 
Die unabhängige Sicht auf die Schule erhöht die Glaubwürdigkeit von Qualitätsfeststellungen nach innen und außen.
Eine unabhängige Befragung durch externe Personen unterstützt die ehrliche Meinungsäußerung, die mit eingespielten Kommunikationsformen u.U. verborgen bleibt.
Durch professionelles Know-how werden knappe Zeitressourcen der Schule weniger beansprucht.
Ein ausführlicher Evaluationsbericht gibt hilfreiche Hinweise zur Weiterentwicklung der Schulqualität.
 

Die praktische Umsetzung des Modells Q2E:

Beim Aufbau eines erfolgreichen Qualitätsmanagements stellt sich die Frage der Reihenfolge. Je nach Eigenart der Schule kann die Erarbeitung unterschiedlich sein.
 
Die Erarbeitung eines Qualitätsleitbildes ist eine gute Möglichkeit, die Aufbauarbeit des Qualitätsmanagements zu starten. Das Q-Leitbild dient als Orientierungsinstrument für das schuleigene Q-Management als Grundlage für alle Q-Aktivitäten.
 
Der zweite Schritt erstreckt sich über einen längeren Zeitraum und soll die Q-Entwicklung als gemeinsames und kooperativ und partizipativ zu gestaltendes Anliegen der Schule zeigen.
 
Die Komponente der „Steuerung der Q-Prozesse durch die Schulleitung“ füllt sich im Verlauf aller Projektentwicklungsphasen laufend mit Inhalten. Sowohl beim Aufbau einer Feedbackkultur als auch bei der Selbstevaluation braucht es die Steuerung durch die Schulleitung, welche durch eine schrittweise Konzepterarbeitung und –erprobung gestützt wird. Mit der Entwicklung und Erprobung von Führungsinstrumenten empfiehlt es sich, schrittweise vorzugehen. Zudem sollten in geeigneter Weise das Kollegium in die Arbeiten einbezogen werden.
 
Die Erarbeitung des Qualitätshandbuches kann keiner einzelnen Phase zugeordnet werden. Die entsprechenden Inhalte entwickeln sich parallel und bilden einen wichtigen Bestandteil des Gesamtprozesses. Das Qualitätshandbuch bildet eine wichtige Grundlage für die externe Evaluation. 
Auf Grund von Projekterfahrungen kann man von einer Aufbauzeit von 4-6 Jahren ausgehen.
 
Erarbeitet vom SET nach Landwehr/Steiner Q2E vom 12.06.2012; aktualisiert am 27.02.2013